April 2026 – Bereits zum dritten Mal fand die jährliche Exkursion in eine AGFK Mitgliedskommune statt. Mit dem Ziel sich zu Radverkehrsförderung auszutauschen und davon zu lernen, reisten am 16. April rund 25 Radverkehrsbeauftragte in die mittelfränkische Stadt im fränkischen Seenland. Nach einer kurzen Begrüßung durch den noch amtierenden Bürgermeister Karl-Heinz Fitz und dem stellvertretenden Geschäftsführer der AGFK Bayern Holger Schmidt, präsentierte der Radverkehrsbeauftragte und Hauptamtsleiter Klaus Stephan sehr ausführlich, wie sich der Radverkehr in Gunzenhausen seit 2012 entwickelt hat.

Als Gründungsmitglied der AGFK Bayern fasste die Stadt an der Altmühl schon früh einen Grundsatzbeschluss zur Förderung des Radverkehrs und setzte sich zum Ziel, den Anteil des Radverkehrs am Modal Split anzuheben. Ein Radverkehrskonzept wurde 2015 erstellt und damit eine Reihe von Infrastrukturmaßnahmen angegangen, beispielsweise die Einrichtung von Radfahrstreifen oder auch die Verschmälerung der KFZ-Kernfahrbahn zugunsten des Radverkehrs. Die Intention war zunächst, mal etwas für den Radverkehr zu tun, ohne den KFZ-Verkehr zu stark zu beeinträchtigen. Mit zunehmender Akzeptanz für das Rad wurden mehr Projekte mit weitreichenderer Wirkung angegangen und umgesetzt. Die Kritik an den Maßnahmen aus der Bevölkerung wurde zunehmend größer, da auch der MIV Einschränkungen erfahren musste. Der Standhaftigkeit des Ersten Bürgermeisters und dem Mut der Verwaltung ist es zu verdanken, dass Maßnahmen wie die Umgestaltung und Sicherung der Weißenburger Straße verstetigt werden konnten. Mehrmals wies Karl-Heinz Fitz darauf hin, sich von den vielen unsachlichen Kritikern nicht vom Weg abbringen zu lassen.

Ein hervorzuhebendes nicht-investives Projekt ist das Wimmelbild zur nachhaltigen Mobilität mit Gunzenhausenbezug, welches von der AGFK Bayern im Rahmen der Projektfinanzierung unterstützt wurde. So können die Einwohner bei Veranstaltungen auf der Größe eines Bauzaunbanners 25 Besonderheiten aus Gunzenhausen auf einem Wimmelbild entdecken und setzen sich zugleich mit den verschiedenen Mobilitätsformen des Umweltverbundes auseinander. Über alle Altersgruppen hinweg laden zudem Puzzles oder auch Ausmalbilder in XXL-Größe Kindergärten ein, nachhaltige Mobilität zu thematisieren. Lokale Besonderheiten zu entdecken fördert zudem die Identifikation mit der eigenen Stadt und der nachhaltigen Mobilität.

Nach dem Mittagessen wurden an rund 13 Stationen besondere Infrastrukturmaßnahmen für den Radverkehr besichtigt. Neben verschiedenen Serviceangeboten wie eine Pump Track Anlage oder auch Reparatursäulen, waren dies auch hochwertige Radabstellanlagen an wichtigen Quell- und Zielen. Anhand der Weißenburger Straße wurde den Teilnehmenden gezeigt, wie Radfahren durch den Einsatz des VZ 277.1 „Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen“, der Markierung einer Piktogrammkette sowie die Umgestaltung der Einmündung in eine Seitenstraße sicher gestaltet werden kann. Diese sowie auch andere Fahrbahnen können auch deswegen relativ zügig verwaltungsintern umgestaltet werden, da die Baulast für alle Fahrbahnen im Stadtgebiet bei der Kommune liegt. Das Thema Schulwegsicherheit wurde in Gunzenhausen durch eine Analyse der Wegebeziehungen und daraufhin angepassten Aus- und Einleitungen des Radverkehrs auf die Straße mit zum Teil aufgeweiteten Radaufstellflächen am Knotenpunkt Hensoltstraße/Blütenstraße angegangen Am Bahnhof, der als Mobilitätszentrum ausgebaut werden soll, finden sich Fahrradboxen, die auch monatsweise gemietet werden können. Durch die Herstellung eines Durchgangs unter der Bahnstrecke sind die Menschen im neuen Stadtteil an das Radnetz, welches in die Innenstadt und darüber hinaus führt, bestens angeschlossen. Generell wird bei sämtlichen Neubauten im Gemeindegebiet der Radverkehr mittlerweile automatisch bei den Planungen berücksichtigt.

Als Resümee für eine gute Radverkehrsförderung konstatiert Klaus Stephan, dass es oftmals Mut braucht, Dinge gegen Widerstände umzusetzen und an den Erfolg zu glauben. Außerdem hilft es, Radverkehrsförderung pragmatisch anzugehen und dabei manchmal unter den Standards zu bleiben, um den Menschen ohne langes Warten auf den großen Wurf ein Angebot zum Radfahren bereitstellen zu können.
Klaus Stephan und Karl-Heinz Fitz werden zum 1. Mai 2026 aus dem Dienst ausscheiden. Für Ihren unermüdlichen Einsatz für den Radverkehr in Gunzenhausen einerseits und die konstruktive und sehr wertvolle Mitarbeit in der AGFK Bayern andererseits, bedankt sich die AGFK ganz herzlich.
(Text und Bilder: AGFK Bayern)