Mobilität in Holzkirchen: Viele kleine Schritte, ein gemeinsames Ziel 

September 2026 – Wie kann eine Gemeinde ihre Mobilität Schritt für Schritt verändern, ohne auf das eine große Leuchtturmprojekt zu warten? Die Marktgemeinde Holzkirchen im Landkreis Miesbach, seit 2024 AGFK-Mitglied, setzt dabei auf einen Mix aus Infrastruktur, konkreten Angeboten und niedrigschwelligen Aktionen. Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Maßnahme als das Zusammenspiel vieler Bausteine. 

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Foto: Holzkirchen,Landkreis Miesbach

Ein wichtiger Ausgangspunkt ist der Blick auf die tatsächliche Verkehrsmittelwahl. Die aktuelle Modal-Split-Erhebung aus dem Jahr 2025 zeigt: 51 Prozent der Wege in Holzkirchen werden inzwischen mit dem Umweltverbund zurückgelegt. Der Radverkehr kommt auf 19 Prozent, der Fußverkehr auf 26 Prozent. Zum Vergleich: 2020 lag der Anteil des motorisierten Individualverkehrs noch bei 58 Prozent, heute sind es 49 Prozent. Die Entwicklung zeigt, dass sich Mobilitätsverhalten verändern kann – gleichzeitig bleibt noch einiges zu tun. 

Die Gemeinde verfolgt deshalb unterschiedliche Ansätze. Beim Radverkehr gehört seit mehr als 7 Jahren das jährliche STADTRADELN inzwischen fest zum Veranstaltungskalender. 2026 beteiligten sich erneut zahlreiche Bürgerinnen und Bürger an der Aktion. Auch fand in diesem Jahr zum zweiten Mal der Holzkirchner Mobilitätstag statt, in dessen Rahmen lokale Anbieter, Firmen und Vereine ihre Vision von „Mobilität“ präsentieren konnten.  

Ergänzt wird die Radverkehrsförderung durch regelmäßige Aktionen, wie eine Schrotträder-Beseitigung, für die die Marktgemeinde heuer ein neues Markierungssystem entwickelt hat. Die sichergestellten Räder werden regelmäßig im Rahmen einer Fundradversteigerung veräußert. 

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Foto: Holzkirchen, Landkreis Miesbach

Das seit Mai bestehende MVV-Bikesharing „MyRadl“ stellt einen wichtigen Meilenstein der Holzkirchner Verkehrspolitik dar. An zunächst sieben Stationen stehen Fahrräder für kurze Alltagswege zur Verfügung. Damit soll das Fahrrad nicht nur als Freizeitverkehrsmittel, sondern auch als unkomplizierte Alternative für die letzte Meile und spontane Wege etabliert werden. In Zusammenarbeit mit lokalen Firmen wie Bosch und Hexal konnten auch Bikesharing-Standorte auf Firmengrund realisiert werden, um besonders die zahlreichen öffentlich anreisenden Einpendler aus dem Großraum München anzusprechen. 

Auch der Fußverkehr rückt stärker in den Mittelpunkt. Ein Beispiel ist die 2026 umgesetzte Bewegungsroute. Gemeinsam mit dem Runden Tisch „Fuß- und Radfreundliches Holzkirchen“ entstand ein niedrigschwelliges Angebot, das Bewegung in alltägliche Wege integriert. Auf Gehwegen finden sich einfache Übungen und Markierungen, die zum Balancieren, Koordinieren oder kurzen Bewegungspausen einladen. Bewusst wurde auf große Orientierungstafeln, gedruckte Karten und eine aufwendig ausgeschilderte Route verzichtet. Die Idee dahinter: Die Übungen sollen nicht als einmaliges Freizeitangebot wahrgenommen werden, sondern langfristig ganz selbstverständlich zum Ortsbild gehören. Perspektivisch können weitere kleine Bewegungsangebote im gesamten Gemeindegebiet hinzukommen. 

Mobilitätsförderung bedeutet für Holzkirchen aber auch, die Rahmenbedingungen für den Verkehr zu verbessern. Der Lärmaktionsplan bildet hierfür eine wichtige Grundlage. Auf besonders belasteten Straßen wurden Maßnahmen geprüft und teilweise bereits umgesetzt. Dazu gehört auch die Anordnung von Tempo 30 auf innerörtlichen Hauptstraßen. Solche Maßnahmen sind weniger sichtbar als ein neues Mobilitätsangebot, wirken aber unmittelbar auf Verkehrssicherheit, Lärmbelastung und Aufenthaltsqualität. 

Mit den fortschreitenden Planungen zur Fortsetzung der geplanten Radvorrangroute von Otterfing zum Tegernsee im Abschnitt Holzkirchen-Warngau konnte in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn und dem Staatlichen Bauamt Rosenheim ein Durchbruch erzielt werden – die Bauarbeiten für den Weg sollen im Jahr 2027 beginnen und Holzkirchen und Warngau zuverlässig und sicher auch für Radfahrende verbinden. Aber auch Rückschläge gehören mitunter zur Mobilitätsentwicklung dazu, so wartet die Marktgemeinde immer noch auf die lang ersehnte Umsetzung der ersten Piktogrammkette auf der Kreisstraße im Gemeindeteil Föching um dort eine wichtige Netzlücke zu schließen.  

Ein weiterer Baustein des Holzkirchner Mobilitätsmanagements ist die Beteiligung. Im Runden Tisch „Fuß- und Radfreundliches Holzkirchen“ kommen Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinderatsfraktionen, Verbände, Verwaltung und weitere Akteure regelmäßig zusammen. Dadurch können unterschiedliche Perspektiven bereits früh in die Planung einfließen.  

Mit der erstmaligen Teilnahme an der Europäischen Mobilitätswoche im September 2026 soll zudem das Thema Mobilität zwischen den Generationen stärker in die Öffentlichkeit getragen werden. Geplante Aktionen sind unter anderem ein Test des Projekts „Radeln ohne Alter“ – begleitete Rikschafahrten für Seniorinnen und Senioren, für Ausflüge und zur aktiven Teilnahme am Gemeindeleben. 

Gleichzeitig ist das Mobilitätsmanagement der Marktgemeinde bemüht, Datengrundlagen und Fakten zu erheben, um objektiv planen und entscheiden zu können. Beispiele hierfür sind Messkampagnen mit Open-Bike-Sensoren zum Überholabstand, Erhebung von Mobilitätsdaten mittels eigener Topo-Box oder die Analyse und Auswertung von Geodaten via Geographischem Informationssystem (GIS). Mit letztem konnte eine Modellierung von Fußwegeabständen zwischen Sitzbänken erstellt und zuverlässig Lücken im Angebot dokumentiert werden. Auch ein aktives bespielen der OpenStreetMap (OSM) mit einem gemeindlichen Account, zur Verbesserung der Datenlage um Geh- und Radwege sowie geltende Verkehrsregelungen und Beschilderungen, wie auch der aktive Eingriff in GoogleMaps im Falle von Baustellen oder Umleitungen wird von der Gemeinde praktiziert.  

Wichtig ist es, über die gemeindlichen Kanäle auch das Thema der Öffentlichkeitsarbeit zu bespielen. Hierbei nutzt die Marktgemeinde bereits seit längerem neben den „klassischen“ Kanälen Presse, Gemeindeblatt und Homepage auch die Plattform Instagram. Über diese wurde im letzten Jahr eine Imagekampagne mit einfachen Verkehrsregeln humorvoll in kurzen Videoclips umgesetzt, beispielsweise wurde der geforderte Überholabstand von Autos mit einer Anzahl Bierkästen demonstriert. 

Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigen: Mobilitätswende auf kommunaler Ebene besteht selten aus einer einzelnen Maßnahme. Es sind viele unterschiedliche Projekte, die zusammen Wirkung entfalten – vom Bikesharing über sichere und leise Straßen bis hin zu kleinen Angeboten für den Fußverkehr. Holzkirchen setzt deshalb bewusst auf einen pragmatischen Weg: Ziele definieren, Entwicklungen messen, Maßnahmen ausprobieren und erfolgreiche Ansätze weiterentwickeln. 

Denn auch kleine Veränderungen können einen Unterschied machen – insbesondere dann, wenn sie nicht isoliert betrachtet werden, sondern Teil einer langfristigen Strategie für eine alltagstaugliche und vielfältige Mobilität sind.

(Text und Bilder: Holzkirchen, Landkreis Miesbach)